Es waren hoffnungsvollere Zeiten, als Augusto Boal aus dem Forumtheater auch Legislatives Theater entwickelte:
Legislatives Theater
Legislatives Theater entstand in Rio de Janeiro in den Jahren, in denen Augusto Boal als Stadtrat (Vereador) mit seinen Mitarbeitenden und Gruppen und Initiativen deren Szenen und Themen entwickelten: Mit Forumtheater die Szenen ihrer verletzten Rechte und Gestaltungsmöglichkeiten, das Publikum erprobt spielerisch Änderungsmöglichkeiten, wie auch in den anderen Methoden des Theater der Unterdrückten in der Anwendung der Pädagogik der Unterdrückten von Paulo Freire.
Die Versuche werden protokolliert, diskutiert, zu Gesetzesvorschlägen verdichtet. Augusto Boal hatte die Möglichkeit, die Praxis zu entwickeln und darüber zu schreiben:
Gegen den Trend:
In der langjährigen Politik wurde durch De-Regulierung das Recht eher noch mehr marktgerecht gestaltet und gedacht, durch neo-liberale Konkurrenzgestaltung den Geschäften der Vorrang eingeräumt, die demokratische Gestaltung für unsinnig, unmöglich oder unqualifiziert erklärt.
Experten wissen alles besser, haben untersucht, erklären, was wir brauchen sollen. Die Fähigkeit, unsere direkte Umwelt zu gestalten, würde uns motivieren, verantwortlich machen. Die uns entfremdete und nicht mit-gestaltbare Welt wirkt feindlich, revierbesetzt und bekämpfenswert, und wenn es nur durch Abfall ist … oder Zerstörung.
Eine Welt, in der mir kein Platz, keine Mitwirkung eingeräumt wird, ist nicht lebenswert.
In der derzeitigen Kriegs-Politik besteht wenig Hoffnung, die Macht der Konzerne in unseren Ländern zu brechen, die nun vollständig von Lobby-Interessen gesteuert sind. Aber wann kommen die Befreiungen aus den anderen Ländern? Oder bringt das Erwachen zu den Themen der Kolonialisierung hierzulande Veränderung?
Jeder Mensch muss sich seine Welt erobern können.
Zuerst können wir das bei unseren Eltern, aber schon in der Schule erleben wir viele Strukturen, in denen wir nicht stören sollen, nur Gast sind, keine wirklichen Spuren hinterlassen sollen …
Die Unrechts-Zustände veröffentlichen und verändern: Szenen dazu vermitteln
regelmäßig reden Politiker davon, dass bei uns alles über-reguliert sei: Das ist sicher an vielen Handelsthemen richtig, denn die Klassen von Gurken und Äpfeln in europäischen Standards sind inzwischen international umkämpftes Export-Feld.
Die Frage ist, wie weit wir das "von oben herab" für uns als Bindung empfinden, wie wir unseren Alltag neben den interational agierenden Supermärkten organisieren, um nicht an schadstoffbelastetem chinesischem Gemüse und Obst zu landen.
Als demokratisch erzogene und idealistisch denkende Menschen wollen wir bei der Gestaltung der uns betreffenden Gesetze mitwirken, und so manches alte Gesetz aus dem 3. Reich wird uns immer noch als gültig präsentiert. Die Psychiatrie, aber auch Teile der Medizin und vor allem die Justiz haben diese Fortsetzung wenig reflektiert, die kleine Bewegung der Reformen wurde von den behäbigen Kräften erstickt:
Unter den Talaren - Muff von 1000 Jahren!
Der Spruch bezog sich nicht so sehr auf das Mittelalter, als viel mehr auf jenes germanische 1000jährige Reich, das zwar nach nur 12 Jahren räumlich untergegangen war, aber mit seinen Mechanismen weiter wirkt - in manchen anderen Ländern noch weniger reflektiert als in unserem. Studierende, die ihre Professoren als Nazis begriffen, Situationisten und die Subversive Aktion waren die Vorläufer der Kommune 1 und der Studentenbewegung, bis Benno Ohnesorg beim Schah-Besuch erschossen wurde.
Faschismus: Die Verfügung über andere Personen
Die Grundlagen der Demokratie als Selbstbestimmung der Menschen ist gerade durch das Schulsystem schon oft als autoritäre Persiflage vermittelt: Wir wollen nur dein Bestes!
Autoritäre Über-Belastungen führen zur De-Pression
Aus Situationen der Machtlosigkeit entstehen Haltungen und Situationen der Depression: Ob aus autoritärer Unterwürfigkeit, wie sie brutale Erziehung mit Prügeln erzeugt, oder aus ökologischer Verzweiflung, ob aus religiösen Verzweiflungen und Verfehlungen oder aus philosophischer Hoffnungslosigkeit: Die Kraft schwindet plötzlich, allein.
Aus der Unterdrückung und Verzweiflung ausbrechen:
Unsere aktuelle gesellschaftliche Haltung zur Krankheit schickt uns in Einzeltherapie oder zur Psychopharmaka, das Leiden länger auszuhalten, aber es gibt auch eine politische Lösung:
Gemeinschaftlich und kommunikativ
Gemeinschaftliche Theaterarbeit kann die gemeinsamen Themen aufgreifen, wenn die erste Schwelle überschritten ist: Deine Depression / Burn-Out / Verwirrung ist nicht nur deine Privatsache, sie ist gesellschaftliche Situation. Wie du damit umgehst, ist allerdings deine Sache!
Wir gehen nicht an privat orientierte therapeutische Fragestellungen, sondern an die gesellschaftlichen, politischen Fragen. Armut bis Zukunftsangst sind die Themen ALLER, die Frage ist nur, bei welchem Thema du wach wirst, betroffen bist, dass du was unternehmen magst.
Stadtpolitik in München:
Inzwischen ist die Mischung aus Kriegskinder / Kriegsenkel / Nachkriegskinder -Thematik mit den Mißbrauchs-Offenlegungen wie bei den Domspatzen für Viele zur Anregung geworden, über die eigenen Gewalt-Erfahrung in Erziehung und Schule, damals "normal", aber heute als Struktur einer Ängstlichkeit, bei Manchen von richtiggehenden Angststörungen und Panik-Attacken, aber auch Mutlosigkeit.
Olympia-Bewerbung von oben herab
9 Millionen allein für die Planung der Bewerbung, ein Bürgerentscheid am 26. Okt 2025 wird hoffentlich die nächsten Planungen stoppen, den Freistaat und den Bund und vielleicht auch EU-Mittel anzuwerben, die Stadtkasse zu retten, die gerade gekürzt und geplündert wird: Korruption ist der zweite Name des IOC, das mit sich seinen Knebel-Verträgen die Gewinne sichert und die Städte wie Paris mit den Schulden hinterlässt.
Lobby-Selbstbedienung in der Bundesregierung
Dass eine Wirtschaftsministerin direkt aus der Gas- und Öl-Lobby stammt, die in diesen Zeiten alles zum Brennen bringt, weil ja noch Zeit bis 2045 wäre … macht angesichts der bisherigen Wähler-Mehrheiten und der Vorreiter-Rolle der AfDer grade nirgends mehr Mut zu demokratischen Hoffnungen auf eigene Gesetzesinitiativen?
Mit dem Arsch voraus
heisst es bei uns, wenn es in die falsche Richtung denkt: Rückwärts geht in der neoliberalen Richtung nur die Kapitalisierung zu denken: Rückwärtsgewandt landen wir in der brutalsten Verwertung aller Anderen, in der Bevormundung der Minderheiten und der Wissenschaft, im der Verteidigung des zerbröckelnden Wohlstand, den uns die Sturzfluten aus Himmel und überhitzen Plastik-Meeren wegzuschwemmem drohen.
Wenn sich "Regenten" nicht mehr an Gesetze halten
brauchen wir auch keine neuen Abkommen wie von Paris und Gesetze für Naturschutz, Völkerrecht und Abrüstung: Und wenn uns die Medien und Religionen von der Unabwendbarkeit des Untergangs aus biblischem Schicksal oder muslimischer oder rassistischer Bedrohung vollschwafeln, gibt es auch keine Hoffnung für die nächsten Generationen, aber große Aufgaben: Müllhaufen auswerten?
Was ist Demokratie? hieß ein Projekt in München
Legislatives Lernen
Zukünftige Gesetze und Räte gemeinsam erspielen
Die alten Arbeiterräte, die Soldatenräte aus den Kasernen, die Bauernräte waren oft die gleichen, die im Dorf schon das Sagen hatten …
Das Forumtheater als zentrale Methode im Theater der Unterdrückten von Augusto Boal bezieht sich auf die Pädagogik der Unterdrückten von Paulo Freire, weitergeführt zur Pädagogik der Befreiung und zur Pädagogik der Hoffnung und der LernAutonomie und zur kritischen Theorie.
Aus dem Forumtheater wurde im gemeinschaftlichen Forschen und Lernen der Schauspielenden auch das Bilder- und das Statuentheater entwickelt, das Zeitungstheater stellte die Meldungen der Medien auf die Bühne, Unsichtbare Theater entstand unter den Situationen der Diktatur und Unterdrückung, Legislatives Theater in den Situationen der Befreiung und der parlamentarischen Macht-Kontrolle.
Mit einer Ästhetik der Unterdrückten schloss Augusto Boal kurz vor dem 2. Mai 2009 sein Lebenswerk ab, auf den Tag 12 Jahre nach Paulo Freire, dessen Gedächtnis wir 1997 in Toronto beim internationalen Festival des Theater der Unterdrückten begangen hatten: "The Ripple Effect Toronto": "Wie er Blume war, lasst uns Früchte seiner Arbeit sein"